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Die Glasfenster im einzelnen beschrieben

Acht der Fenster sind nach ihren Stiftern benannt, die sich oder ihre Wappen jeweils auf den unteren Glasscheiben malen ließen; das neunte Fenster, rechts im Schiff, ist nach der Patronin der Kirche, der Heiligen Martha benannt. Zur Orientierung bei der Beschreibung der Motive werden die einzelnen Glasscheiben von unten nach oben gezählt, die entsprechenden Vertikalbahnen von links nach rechts mit a, b, c.

Im Chor:

Das Waldstromer-Fenster im Chorhaupt (I), gestiftet von Conrad I. Waldstromer (gest. 1360) und seiner Frau Agnes Pfinzing (gest. 1357) selbst oder zu ihrem Gedächtnis, zeigt die Einsetzung des Abendmahls und Szenen aus dem Alten Testament: Anbetende Engel; Christus am Kreuz; Noah mit der Arche; Moses mit Gesetzestafeln; Abraham und Isaak; Jakobs Traum, Taufe Christi; Einsetzung des Abendmahls (in der Mitte Christus mit Judas); heilige Kommunion; am Krankenbett; Wappen der Waldstromer; Johannes der Täufer.

In die Glasscheibe 1a ist die neuzeitliche Renovierungsinschrift eingefügt: Renoviert i.J.

         1912
Gust. van Treeck
     München.

Das Groß-Fenster (Nord II) zeigt Szenen aus dem Leben Jesu von der Verkündigung Mariä bis zur Beschneidung. Die Scheiben 4a, b, c zeigen in der Mitte die Beschneidung Jesu, links zwei mit Namen nicht bekannte Juden, rechts Mose.

Im Neuen Testament wird erzählt, dass Maria ihren Sohn am achten Tag nach der Geburt beschneiden ließ: „Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden musste, gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war“ (Lukas 2, Vers 21). Die Israel gebotene Beschneidung ist das Zeichen des Bundes, den Gott mit seinem Volk schloss.

Moses, rechts neben Jesus und Maria, hat im Auftrag Gottes Israel aus der Sklaverei in Ägypten herausgeführt, durch ihn gab Gott am Berge Sinai seine Gebote an Israel weiter. Mit zwei Hörnern gekrönt ist Mose abgebildet, denn im Alten Testament heißt es: „Als nun Mose vom Berge Sinai herabstieg, hatte er die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand und wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte“ (2. Mose 34, Vers 29). Das Wort für „glänzen“ ist im Hebräischen das gleiche wie für „Horn“.

Die beiden Juden auf dem linken Bild und der Jude, der Jesus beschneidet, sind an ihren Hüten zu erkennen: Die „Judenhüte“ sehen aus wie umgestülpte Trichter, auf die ein dünner Kegel aufgesetzt ist. Die bizarr anmutende Form war im 13. Jahrhundert nicht exotisch. Trichterförmige Hüte wurden von Reitern getragen. Die Hutform hat ihren Ursprung in dem griechischen Petasos, einem breitkrempigen Hut mit flachem Kopf. Bevor das Konzil von Wien 1267 deutschen Juden das Tragen dieser Hüte vorschrieb und ihnen eine andere Kopfbedeckung verbot, hatten Juden aus eigener Entscheidung diese Hüte als ihre Kopfbedeckung gewählt. Mit der Vorschrift, einen „Judenhut“ zu tragen, wurde aus einer Mode einer Methode, Juden auszugrenzen. Diese Diskriminierung spiegelt die bildende Kunst.

Das Rieter-Fenster (Nord III) hat die 15 Zeichen vor dem Jüngsten Gericht zum Thema, 14 Zeichen sind dargestellt: Aufwerfen des Meeres, später Rückgang desselben; dadurch Dürre auf Erden; Zerbrechen der Steine; Berge, Menschen und Tiere fallen nieder; Unglück auf dem Meer; alles Wasser brennt; Bäume und Sträucher schwitzen Blut; Einebnung der Erde; Gräber tun sich auf; Tote gehen heraus; Sterne fallen vom Himmel; die Lebenden sterben; Himmel und Erde verbrennen.

Die Folge der 15 Zeichen stammt aus der Poesie und Predigt-Literatur des hohen und späten Mittelalters. Die Umschrift lautet: DAS SIND DIE ZEICHEN DIE BEDEUTEN VOR DEM IUNGSTEN (ergänze: GERICHT DAR = zerstört) NACH KOMET GOT UND WILL RICHTEN ÜBER ALL MENSCHEN.

Das Fenster Nord V ist zusammengesetzt aus Fenstern des einstigen Langhauses und dem großen Westfenster (1420-1430). Es zeigt Heilige und Wappen Nürnberger Patrizier.

Das Stromer-Fenster (Süd II): Das von dem Nürnberger Patrizier Stromer von Reichenbach gestiftete Fenster zeigt Motive der Passionsgeschichte: Gethsemane; Gefangennahme Christi; Geißelung; Dornenkrönung; Kreuzigung.

Das Behaim-Fenster (Süd III) hat den Tod Marias, Auferstehung und Himmelfahrt Christi und die Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten zum Thema. Auf Scheibe 1a ist ein Stifter, der Patrizier Teufel mit seinem Sohn und dem Wappen abgebildet. Auf dem Spruchband steht die Anrufung des Franziskus von Assisi. Der Heilige in lilafarbener Kutte steht hinter den Figuren.

Das Ottnandt-Fenster (Süd V) ist ein Bild des Weltgerichts. Vermutlich wurde beim Anbau der Sakristei die Anordnung der Scheiben verkürzt. In der ersten Etage sind Sandsteinplatten eingeschoben. Scheibe 2a zeigt die Stifterin Schopper mit ihrem Wappen, 2c ihren Ehemann, den Stifter Ottnadt, sein Wappen ist in der mittleren Scheibe zu sehen. Ehepaar und Wappen stehen nicht in der ursprünglichen Reihenfolge.

Im Langhaus:

Das Schürstab-Fenster (Nord VI) auf der linken Seite des Kirchenschiffs wird auch „Blaues Fenster“ genannt. Neben dem Martyrium der Heiligen Ursula und anderen Szenen aus den Heiligenlegenden zeigt es Pfingsten: Im Mittelpunkt der Darstellung (Scheibe 6b) steht Maria, die Mutter der Kirche. Über ihrem Kopf, wie im Sturzflug, den Kopf senkrecht nach unten gerichtet, fliegt eine Taube. Sie symbolisiert den heiligen Geist.

Durch eine Leitung fließt der Geist Gottes zunächst zu Maria, dann zu den beiden Frauen zu ihrer Rechten und zu ihrer Linken, von dort zu beiden Seiten weiter jeweils zu sechs Aposteln. Die zwölf Apostel richten ihren Blick auf die Mutter der Kirche. Pfingsten ist das Fest, an dem mit der Ausgießung des Heiligen Geistes die „Geburt“ der Kirche gefeiert wird.

Das Martha-Fenster (Süd VI) auf der rechten Seite des Schiffs zeigt in der 3., 4. und 5. Vertikalbahn Szenen aus der Legende der Heiligen Martha: Tod und Grablegung, Krankenheilungen, Bändigung eines Drachen.

Auf  Scheibe 4a steht Martha mit Kreuzstab und Krone, an ihrem Gürtel, dem Symbol weiblicher Macht, hält sie, wie einen Hund an der Leine, einen Drachen.

Martha, in der Bibel Schwester von Maria und Lazarus, die Jesus bei sich aufnimmt und bewirtet (Lukas 10, Verse 38-42), ihn als den Christus und als Sohn Gottes bekennt (Johannes 11, Vers 27 ), stammt laut Legende aus königlichem Geschlecht. Nach der Himmelfahrt Christi soll sie auf einem Schiff ohne Steuer, Ruder und Segel nach Massilia gelangt und von dort in das Land zu Aix gefahren sein, um das Volk zum Christentum zu bekehren.

Die Legende erzählt:

„Nun war zu der Zeit in einem Wald jenhalb des Flusses Rhodanus, zwischen Arles und Avignon, ein Drache, halb Tier, halb Fisch, der war dicker als ein Rind und länger als ein Pferd; seine Zähne waren wie Schwerter und spitz wie Hörner; und war gepanzert an allen seinen Seiten. Er lag in dem Flusse verborgen und tötete alle, die vorüberkamen, und versenkte die Schiffe (...) Wider den Drachen zog Sanct Martha, denn das Volk bat sie; sie fand ihn im Wald, wie er einen Menschen aß; alsbald goss sie geweihtes Wasser über ihn und hielt ihm ein Kreuz vor, da war er besiegt und stund als ein zahmes Lamm. Martha band ihn mit ihrem Gürtel, darnach kam das Volk und schlug ihn mit Steinen und Speeren tot.“

Wie die Heilige einen jungen Mann vom Tode auferweckt, zeigt Glasscheibe 5c. Die Legende erzählt:

„Es geschah einst, da sie bei Avignon zwischen der Stadt und dem Rhonefluß predigte, dass ein Jüngling auf dem anderen Ufer sie zu hören begehrte; und da er kein Fahrzeug fand, zog er sich aus, sprang in den Fluss und hub an zu schwimmen; doch riss ihn die Gewalt der Strömung unversehens fort, dass er ertrank. Nach zwei Tagen fand man seinen Leichnam kaum mit großer Mühe und trug ihn vor Sanct Marthen, dass sie ihn erwecke. Da warf sie sich kreuzweis zu Boden und betete als ‚Adonay Herr Jesu Christe, der du meinen Bruder Lazarus einst auferweckt hast, deinen Freund: sieh an den Glauben dieser Menschen, liebster Gast, und erwecke diesen Jüngling zum Leben‘. Damit fasste sie die Hand des Toten, der stund alsbald auf lebendig und empfing die heilige Taufe.“

Auf dem Glasgemälde sind die rechte Hand Marthas als des Jünglings in symbolischer Geste dargestellt: Zeige- und Mittelfinger sind gestreckt, während Daumen und die beiden anderen Finger nach innen gekrümmt sind, so dass sich ihre Spitzen berühren. Die beiden gestreckten Finger symbolisieren die zwei Naturen Christi, die menschliche und die göttliche; die drei anderen Finger symbolisieren die Dreifaltigkeit (Trinität) Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Die Glasfenster wurden 1981 bis 1984 mit Unterstützung des Bayrischen Amtes für Denkmalpflege in München und der Stadt Nürnberg für über eine Million Mark restauriert. Die Restauration übernahmen die Werkstätten Dr. G. Frenzel Nürnberg und Gustav van Treeck, München unter Leitung des Architekten Professor Walter Weber, Nürnberg.