Hoffnung und Menschlichkeit

Ruben Mawick berichtete unserer Gemeinde von seinen Einsätzen in der Ukraine


Foto: Robert Behringer

Am bewegendsten war seine Erzählung, wie er selbst getroffen und verwundet wurde. Für die Anwesenden war es ein ernüchternder Bericht, wie die Gewalt und Grausamkeit der russischen Angreifer zuvorderst die treffen soll, die helfen wollen. Aber es gab auch Zeichen der Hoffnung und der Menschlichkeit: vor allem den selbstlosen Einsatz von Rettungssanitätern aus aller Welt.

Mit großer Dankbarkeit können wir mitteilen: Unsere Evangelisch-reformierte Gemeinde St. Martha hat  – Stand 1. August 2025 – über 18.500Euro für einen Rettungswagen sowie medizinische Ausrüstung für weitere Projekte für die Einsätze des jungen Rettungssanitäters Ruben Mawick gesammelt. 

Unsere Presbyterin Dr. Ulrike Goeken-Haidl, die russisch fast perfekt und ein wenig ukrainisch spricht und seinerzeit ein Jahr in Minsk studiert und in Moskau in Archiven gearbeitet hatte, hat die Kontakte dazu ebnen könnnen. Als die Hilfsorganisation „Up-To-Help“ aus Oldenburg im Januar 2025 einen Rettungswagen vom Deutschen Roten Kreuz in Bad Essen ausfindig machen konnte, beschloss das Presbyterium St. Martha einstimmig, diesen über die Presbyterin Goeken-Haidl anzukaufen und in einen „St. Martha-Rettungswagen“ umzuwandeln, der ab Mitte Februar von Ruben Mawick in die Ukraine gebracht und gleich zur Evakuierung von Verwundeten eingesetzt werden würde. Das funktionierte wie geplant – und in unfassbar schnellem Tempo. 

Am Sonntag, 13. Juli 2025, feierlich umrahmt von den Bäckerposaunen unter der Leitung von Tim Spielvogel, berichtete Ruben Mawick dann in unserer Kirche von seinen Eindrücken:   

„Als Russland 2022 in die Ukraine einmarschierte, war für mich klar: „Ich muss und will den jäh überfallenen Menschen in den Kriegsgebieten helfen! Freiheit gibt es nicht umsonst!“ Seitdem er 12 Jahre ist, ist er als Sanitäter tätig und hat 2022-2023 auch als Sanitätssoldat bei der Bundeswehr gedient. 

 

Ein Jahr später war Ruben bereit zum Einsatz: „Auf eigene Faust bin ich im Juni 2023 herübergefahren und schloss mich der Hilfsorganisation „Leave no-one Behind/Civilfleet-Support – Base UA“ aus Berlin an. Direkt nach der Einkunft kam ich sofort in den Einsatz – am gerade gesprengten Kachovka Staudamm im Süden bei Cherson. Meine Mama sah mich in den „Tagesthemen“ – ich hatte sie nur knapp vor der Ausstrahlung vorwarnen können. Die Journalistin Isabel Schayani war als ARD-Redakteurin vor Ort und interviewte mich gleich in voller Action.“ 

Seitdem war Ruben sechs Mal dort – zuletzt im Juni 2025. Jedes Mal ein Stück mehr verändert. Immer nachdenklicher. Was können sich Menschen gegenseitig Entsetzliches mit Waffen nur antun! 

Im Februar 2025 steuerte er dann schon mit sicherer Hand einen „eigenen“ Wagen  - den St. Martha Rettungswagen- in den Raum Dnipro im Südosten und versorgte mit dem grossen, voll ausgestatteten Mercedes Sprinter gleich 47 verwundete Menschen – Zivilisten und Soldaten. 

Im Rettungswagen muss Ruben oft während der Fahrt Zugänge legen, klaffend-große, offene Brüche versorgen, durch Splitterverletzungen verwundete Augen, Arme und Beine verbinden, beatmen und stabilisieren. „Manchmal haben wir Patienten mit inneren Blutungen, die wir im Vollgas retten müssen“, schrieb er uns direkt aus dem Kriegsgebiet im März 2025.

 

Bei Sommereinsätzen im Jahr zuvor war dies beispielsweise ein älterer Herr, dem die Ferse abgesprengt wurde und eine junge Frau, der das Knie mit Phosphormunition grauenhaft aufgerissen wurde – beide Verwundungen durch Munition, die nach internationalem Recht verboten ist. Oft müssen lange Wege zur weiteren medizinischen Versorgung im Hinterland zurückgelegt werden; die russischen Drohnen machen oft stundenlange Umwege notwendig. Dabei übernimmt Ruben die medizinische Überwachung seiner Patienten.

Andere hatten nicht so viel Glück: Ruben zeigte bei seinem Vortrag eine getötete Frau im Feld – noch mit einer Einkaufstasche in der Hand, 

 

Der von uns mitfinanzierte Rettungswagen ist in Tarnfarbe lackiert, mit einem weiß-gelben Kirchenlogo – bekannt in der Region, gut ausgestattet mit Beatmungsgeräten, Verbandsmaterial, Instrumenten. Und weiterhin täglich im Einsatz, auch jetzt, wo Ruben zurück ist.

Die Rückkehr nach Deutschland ist für ihn nie einfach. Im März 2025 reagierte er auf das Zischen des aus Berlin ausfahrenden ICEs beim Bremsmanöver mit Schock – für ihn klang es wie Luftalarm. Nach seiner ersten Heimkehr 2023 hatte er beim Dorffest eine Panikattacke erlittet: „Zu viele Menschen, zu laut, keine Kontrolle.“ 

 

Denn Ruben ist im September 2023 selber bei einer Attacke der russischen Streitkräfte beim Einsatz auf einen Einsatzwagen im Raum Bachmut schwer verwundet worden: Er und der Fahrer Johan, ein schwedischer Freiwilliger, überlebten; der Freiwillige Tonko aus Kanada sowie die Beifahrerin und Leiterin der Mission, Emma aus Spanien, starben dabei. In unserer Kirche halten die Zuhörenden den Atem an, als er davon berichtet und schauen unwillkürlich auf seine vernarbten Beine.

 

Was ihn antreibt, sind Erlebnisse wie dieses: Ein kleines Mädchen, sechs oder sieben Jahre alt, begegnet ihm in einem Dorf im Donbass. Sie spielen mit Kreide, ohne Worte. Jedes Mal, wenn ein Einschlag zu hören ist, zuckt sie zusammen. Sie wurde im Krieg geboren – sie kennt nichts anderes. Zum Abschied schenkt sie Ruben ein kleines Stofftier. Ruben trägt das  Plüschtierchen noch heute immer bei sich. Er hat es mit nach Nürnberg gebracht und legt es auf unsere Kanzel. 

Ruben arbeitet im Rettungsdienst und hält viele Vorträge, auch vor medizinischem Fachpublikum. Seine Expertise ist auch dort gefragt, denn es gibt nur wenige Sanitäter in Deutschland, die Kriegsverletzungen aus eigener Anschauung kennen und wissen, welche Verletzungen beispielsweise FPV-Drohnen im menschlichen Körper hinterlassen.   

Der nächste Einsatz ist schon in Planung. Menschlichkeit schenken. Leben retten. Auch dank Ihrer Spenden! 

Ruben sagt: „Der von Euch gespendete Krankenwagen ist viel wichtiger als ich. Er ist auch im Einsatz, wenn ich nicht vor Ort bin. Er rettet mehr Leben, als ich jemals könnte.“ 

Ein ausgesuchter Dank an alle, die geholfen haben!

Dr. Ulrike Goeken-Haidl

Wer noch spenden mag, findet alle Angaben dazu auf unserer St. Martha-Webseite.

Kranken- und Verletztentransporte in der Ukraine (Rettungswagen + Ausrüstung)

Zahlungsempfängerin: Ev.-ref. Gemeinde St. Martha
IBAN: DE56 5206 0410 0001 5800 00
BIC: GENODEF1EK1

Bitte im Verwendungszweck die Adresse mit angeben, damit wir eine Spendenbescheinigung zuschicken können!

Erneut ist Ruben Mawick in die Ukraine gereist, um 4-5 Wochen Verletzte zu evakuieren. Unsere Gebete begleiten ihn bei seinen gefährlichen Einsätzen.

Nach seinem Besuch bei uns, einem Benefiz-Konzert und Presseberichten sind weitere Spenden eingegangen, die den Kauf eines weiteren Fahrzeuges möglich gemacht haben. Ruben Mawick schreibt uns eine Nachricht:
Der Rettungswagen ist ständig in der Ukraine unterwegs, um Leben zu retten.

Für die Ausrüstung mit medizinischem Material und lebenswichtigen Dingen bittet die Gemeinde weiter um Unterstützung. Inzwischen haben wir Ruben Mawick kennengelernt, der den umgebauten Krankenwagen in die Ukraine gebracht hat und mit ihm unterwegs war.